Das Projekt auf einen Blick

In seinem Innovationszentrum im französischen Benfeld installierte Socomec mehrere Ladestationen für die Elektrofahrzeuge der Mitarbeiter und Besucher sowie die Flottenfahrzeuge – bei unveränderter Netzleistung und ohne die Energiekosten in einem Umfeld instabiler Strompreise zu erhöhen.

Durch die Kombination einer Aufdach-PV-Anlage, eines Batterie-Energiespeichersystems vom Typ SUNSYS HES L und der intelligenten Überwachung mit SoLive PRO wurde das Innovationszentrum in ein Prosumer-Gebäude verwandelt. Es liefert mehr Ladestrom für Elektrofahrzeuge bei einer auf 100 kW begrenzten Netzversorgung, maximiert den Eigenverbrauch an Solarenergie und verringert die Abhängigkeit vom Netz – und unterstützt dabei gleichzeitig das CO₂-Reduktionsziel von Socomec. 

„Ich musste Ladestationen installieren mit der Vorgabe, die Netzversorgung meines Standorts nicht auszubauen. Mein Ziel war klar: Ich wollte vorrangig die Energie nutzen, die ich vor Ort produziere, um meine Kosten zu senken und die CO2-Bilanz des Standorts zu verbessern.“

Aurélien Lauwerier

Facility Manager, Socomec

Kennzahlen und Ergebnisse

Segment / Anwendung
Bürogebäude
EV-Ladestationen für Mitarbeiter-, Besucher- und Flottenfahrzeuge
Energie und Leistung
Vervierfachung des verfügbaren Stroms zur Deckung der morgendlichen Bedarfsspitzen beim Ladestrom
Verdoppelung der Solarstromnutzung für das Laden von E-Fahrzeugen durch die Einbindung eines Speichersystems
Eigenverbrauch und Dekarbonisierung
100 % Eigenverbrauch: Vollständige Deckung des Bedarfs an EV-Ladestrom durch PV-Anlage und Batteriespeicher
8 MWh Solarstrom für das Laden von EV
5,6 Tonnen eingesparte CO₂-Emissionen
Die Herausforderungen
  • Einbindung von EV-Ladestationen ohne Erhöhung der Netzversorgung
  • Geringere Abhängigkeit von volatilen Strompreisen
  • Vorbereitung des Gebäudes für Flexibility Services und Compliance-Anforderungen
  • Beitrag von Socomec zur Senkung der CO₂-Emissionen um 58 % bis 2030
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Erhöhte EV-Ladekapazität bei begrenzter Netzversorgung

Das Socomec Innovation Center ist eines der prominenten Gebäude der Unternehmenszentrale in Benfeld. Es bringt Innovationsteams in einem Living Lab (oder Reallabor) zusammen, in dem neue Energie- und Digitallösungen entwickelt und in vollem Umfang getestet werden.

Um neue Mobilitätsverhaltensweisen zu unterstützen und die Vorschriften für EV-fähige Parkplätze von Gewerbegebäuden einzuhalten, hat Socomec an diesem Standort eine umfangreiche EV-Ladeinfrastruktur eingerichtet. Diese zusätzliche Last wurde an eine auf 100 kW begrenzte Netzversorgung angeschlossen, die speziell für das Laden vorgesehen ist.

Der Facility Manager stand sehr schnell vor einer zentralen Herausforderung:

  • Wie lassen sich hohe, konzentrierte Ladespitzen abfangen, insbesondere morgens,
  • ohne die elektrische Infrastruktur zu verstärken oder die vertraglich vereinbarte Leistung zu erhöhen,
  • und gleichzeitig den Standort vor steigenden und instabilen Strompreisen zu schützen?.

Gleichzeitig forderten europäische und nationale Vorschriften (EED, EPBD, AFIR, LOM usw.) die verstärkte Nutzung von erneuerbaren Energien in Gebäuden, eine Verbesserung der Energieeffizienz und eine Vorbereitung auf Flexibility Services. Das Innovationszentrum musste sowohl ein allen Anforderungen entsprechendes Gebäude als auch ein Vorzeigeprojekt für die Kompetenz von Socomec im Bereich Prosumer-Technologie werden. 

Die Lösung

Eine Prosumer-Architektur mit PV, BESS und intelligenter Steuerung

Eigenproduktion und Eigenverbrauch mit Solarenergie und BESS

Socomec entwarf ein unabhängiges Energie-Hub rund um das BESS vom Typ SUNSYS HES L, die Produktion, Speicherung und Verbrauch ausgleicht:

  • Eigenproduktion – PV-Module auf dem Dach erzeugen erneuerbare Energie, die in erster Linie für das Laden von Elektrofahrzeugen genutzt wird.
  • Eigenverbrauch – Wenn die PV-Produktion den Bedarf des Gebäudes übersteigt, wird der Energieüberschuss im BESS gespeichert oder vom Gebäude genutzt, anstatt die Produktion sofort zu drosseln oder ins Netz einzuspeisen.
  • Intelligente Entladung – Das BESS gibt gespeicherte Energie ab, wenn der Bedarf die aus dem Netz verfügbaren 100 kW übersteigt und wenn der Strom aus dem Netz teurer ist (Spitzenzeiten), wodurch die Ladeleistung sichergestellt ist und gleichzeitig die Stromkosten gesenkt werden.

Dadurch fungiert das Innovationszentrum als Prosumer-Gebäude: Es nutzt Energiespeicher, um den Ladebedarf von Elektrofahrzeugen von den Netzbeschränkungen zu entkoppeln und die Nutzung lokal erzeugter erneuerbarer Energie zu optimieren.

Fallstudie POC-Lösungen

„Heute habe ich ein effizientes und vollständig autonomes System. Ich muss mich um nichts kümmern: Dank der automatischen Steuerung wird die Energie intelligent entsprechend der Anzahl der angeschlossenen Fahrzeuge und der Verfügbarkeit verteilt.“

Aurélien Lauwerier Facility Manager, Socomec

Intelligente Programmierung der Lade-/Entladeperioden

100 % Eigenverbrauch im Sommer, optimierte Netznutzung im Winter

Das System ist so programmiert, dass es sich an die saisonalen Bedingungen anpasst:

  • Sommer – die PV-Produktion ist hoch und das Prosumer-System läuft im reinen Eigenverbrauchsbetrieb. Die PV-Stromerzeugung und das BESS SUNSYS HES L decken gemeinsam den Ladebedarf der Elektrofahrzeuge, sodass die Anlage während dieser Zeit nicht auf Strom aus dem Netz angewiesen ist.
  • Winter – die PV-Produktion ist gering, das BESS SUNSYS HES L wird außerhalb der Spitzenzeiten aus dem Netz aufgeladen und gibt den Strom während der Spitzenzeiten und zur Lastspitzenkappung wieder ab.

Für Facility Manager bedeutet dies, dass das Gebäude auch dann Stromkosten einsparen kann, wenn die PV-Module wenig oder gar keinen Strom erzeugen. Ein erheblicher Teil des Verbrauchs wird in günstigere Nebenzeiten verlagert, während die Batterie das Aufladen von Elektrofahrzeugen während der teuersten Stunden übernimmt. Diese Strategie des zeitlichen Versatzes von Verbrauch und Erzeugung sorgt dafür, dass das Prosumer-Gebäude das ganze Jahr über kosteneffizient ist. 

Überwachung von intelligenten Gebäuden

SoLive PRO und DIRIS Digiware

Um das Innovationszentrum als echtes „Smart Building“ zu betreiben, hat Socomec eine komplette Elektro- und Steuerungsinfrastruktur eingerichtet, die alle Prosumer-Komponenten – PV, BESS, EV-Ladestationen und Netzanschluss – mit einer einzigen cloudbasierten Überwachungsplattform verbindet: SoLive PRO.

SoLive PRO erfasst Echtzeitdaten aus dem System SUNSYS HES L und den Messpunkten des Standorts, verarbeitet sie und visualisiert sie in der Cloud mithilfe vordefinierter und individuell angepasster Dashboards. Diese bieten den Bedienern eine konsolidierte Ansicht der PV-Produktion, Batterieanalysen, EV-Ladeleistung, Strombezug/Stromeinspeisung sowie wichtige Alarme und Betriebsbedingungen. Die Dashboards liefern damit einen stets aktuellen, intuitiven Überblick über Optimierungsmöglichkeiten und unterstützen so korrigierende Entscheidungen.

Im Hintergrund stellt DIRIS Digiware hochpräzise Daten über Messpunkte über Wechselstrom- und Gleichstromkreise hinweg für PV, BESS, EV-Ladestationen, Gebäudelasten und Netzeinspeisung zur Verfügung. Dies gewährleistet eine hochaufgelöste Abbildung der Daten für SoLive PRO und unterstützt eine korrekte Kostenverteilung.

Diese Kombination aus DIRIS Digiware-Komponenten in der Anlage und SoLive PRO in der Cloud macht das Innovationszentrum zu einem vollständig instrumentierten, intelligenten Gebäude: in Echtzeit überwacht, EED- und EBPD-konform und kontinuierlich optimiert hinsichtlich Energieeffizienz, Einsparungen und Leistung.

Ergebnisse und ROI

Mehr Ladestrom, weniger Abhängigkeit vom Stromnetz

Die Prosumer-Lösung bietet klare, messbare Vorteile:

Kapazität und ausreichende Reserven
Viermal mehr verfügbare Leistung an EV-Ladestationen, dadurch Abdeckung der morgendlichen Spitzenlast ohne Aufstockung der Netzversorgung
Zuverlässiges Laden von Mitarbeiter-, Besucher- und Flottenfahrzeugen
Bessere Nutzung erneuerbarer Energien
Verdopplung des Anteils des an EV-Ladestationen genutzten PV-Stroms durch Speichersystem
Mai bis August 2024: 100 % Eigenverbrauch, Nutzung von 8 MWh Solarstrom zum EV-Laden und Einsparung von 5,6 Tonnen CO₂
Kostenkontrolle und Widerstandsfähigkeit
Verringerte Anfälligkeit gegenüber Energiepreisschwankungen durch intelligenten Eigenverbrauch und Lastspitzenkappung
Verfügbarkeit zusätzlicher EV-Ladestationen ohne Erhöhung der vertraglich vereinbarten Leistung

Diese Ergebnisse zeigen, wie ein Gewerbegebäude das Laden von Elektrofahrzeugen unterstützen sowie Netzbeschränkungen und Betriebsbudgets einhalten kann und gleichzeitig aktiv zum Erreichen von Dekarbonisierungszielen beiträgt.

„Ich muss mich um nichts mehr kümmern. Alles läuft im Hintergrund ab, und ich muss mir keine Gedanken über den Stromverbrauch meines Standorts machen.“

Aurélien Lauwerier Facility Manager, Socomec